KZ-Dachau


Ich glaube an den Himmel und die Hölle, ich glaube auch, dass beides irdisch sein kann.“ (aus dem Film 1492)

1m3_02151 Im Rahmen einer Deutschlandtour habe ich mir mal die KZ-Gedenkstätte in Dachau angeschaut. Eigentlich hatte ich etwas Hemmungen dort hinzufahren, da das Thema Judenverfolgung und 2. Weltkrieg zu meiner Schulzeit so intensiv besprochen worden ist, dass ich  den Eindruck hatte, dass ich neue relevante Erkenntnisse nicht mehr gewinnen könnte. Die Thematiken in der Schule gingen von den Anfängen der NSDAP bis hin zu den Lebensläufen der Beteiligten (ich hatte zumindest das gefühlt). Daher hatte ich auch nach der Schulzeit keine Lust mehr, mich weiter mit dem Thema auseinanderzusetzten, ich mied förmlich das Thema.

Den Stein des Anstoßes für die Besichtigung der Gedenkstätte gab mir der Besuch einer Bekannten aus Hongkong in Deutschland. Sie wollte die Gedenkstätte gerne besichtigen und ich wollte ihren Wunsch gerne nachkommen. Ich erwartete dort eine kleine Anlage vorzufinden, in der man das zu sehen bekommt was man bestimmt schon oft genug auf Fotos oder im Fernsehen gesehen hat. Wirklich neues erwartete ich demzufolge nicht. Wie sehr ich mich doch damit geirrt hatte… Die Ausstellung dort war sehr informativ und geht über dies hinaus was man meist reißerisch oder polemisch im Fernsehen gesehen hat. Das Thema KZ-war im 3.Reich etwas komplexer als allgemein dargestellt. Neben den informativen Aspekt kam dort eine emotionale Stimmung auf die nur schwer in Worte gefasst werden kann, man muss einmal selbst vor Ort gewesen sein um einen richtigen Eindruck davon zu erhalten.

Es ist eine beklemmende und auch traurige Begegnung.

An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass diejenigen die mit diesem Thema ein Problem haben sich besser auf die Bilder beschränken und nicht weiterlesen sollten.

Der Zutritt zum Gelände erfolgt durch eine kleine Tür auf der die Worte „Arbeit macht Frei” zu lesen sind. Anders als in Ausschwitz, dessen Tor man immer wieder auf Fotos sieht sind diese Worte jedoch nicht über den Tor angebracht sondern befinden sich direkt im Tor. Nach durchschreiten der Tür befindet sich auf der rechten Seite das ehemalige Wirtschaftsgebäude wo sich eine Dauerausstellung über die Geschichte des KZs zu finden ist. Die Ausstellung wird für Kinder unter 12 Jahren nicht empfohlen… aus gutem Grund. Die Bilder an den Schautafeln können teilweise verstörend wirken. Die Bilder sind aber nicht das eigentliche verstörende was man dort mitbekommt, wesentlich plastischer sind die Beschreibungen über das Leben im KZ. Die Ausstellung ist sehr informativ, es findet sich neben der Geschichte des KZ von den Anfängen bis zur Schließung  ebenfalls eine Umfassende Beschreibung über das Leben und Ziele des KZ. Beides hatte seine Höhen und Tiefen. Wobei mit Höhen gemeint ist, dass das KZ nicht immer als Hinrichtungsstätte gesehen wurde und auch Insassen durchaus entlassen wurden. Darüber hinaus finden sich auch Informationen über die Struktur des KZ, wirtschaftliche Faktoren, Bestrafungen, Ziel des KZ (komplexer als meist im Film dargestellt) und die Jahre nach dem Krieg. Im Filmen wird das Thema KZ meist sehr punktuell dargestellt und liefert daher keinen wirklich umfassenden Blick auf das Geschehen.

 

Geschichte

In den ersten Jahren war das KZ hauptsächlich für politische Gefangene, daher war es auch möglich, dass man aus den KZ entlassen werden konnte. Die Arbeit der Insassen war für das Deutsche Reich ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, weshalb die KZ am Ende des Krieges geräumt wurden und lange Totenmärsche in Kauf genommen wurden, man wollte nicht einfach auf die Arbeitskraft der Häftlinge verzichten. Die Arbeit in den KZ änderte sich im Laufe der Zeit, gerade in den Anfängen des KZ sollten die Häftlinge sinnlose Arbeit verrichten um deren Willen und Geist zu brechen. Die Arbeit war nicht nur innerhalb des KZ beschränkt sondern einige Häftlinge konnten auch außerhalb des KZs arbeiten, meist war dies im nächstgelegenen Ort, wo sie aushalfen. KZ Häftlinge wurden auch für die Vorbereitungsarbeiten der deutschen Siedler in den neuen Gebieten verpflichtet. Mit den Jahren wurden die Haftbedingungen immer schlechter, da die Anlage immer mehr Häftlinge fassen musste und das Leben der Häftlinge immer weniger Wert war. Dies sollte sich 1942 ändern. Die Haftbedingungen sollten sich verbessern, da man auf die Arbeitskraft der Häftlinge nicht verzichten konnte und wollte. Jeder der Arbeiten konnte wurde gebraucht. Kamen neue Arbeiter in das Lager wurde aussortiert zwischen denen die arbeiten konnten und die die es nicht können. Gehörte man zur letzteren Gruppe hatte man im Lager nur ein sehr kurzes Leben, da diese Leute überflüssig waren. Diejenigen die arbeiten konnten hatten jedoch keine besonders guten Aussichten, das Essen war so Vitamin- und Nährstoffarm, dass der körperliche Verfall sehr schnell eintrat.

 

Die Strafen

Hinter dem Wirtschaftsgebäude gelangt man zum Bunker. Der Bunker diente als eine gesonderte Abteilung im KZ wo Häftlinge die gegen die Regeln im KZ verstießen in Einzelhaft eingesperrt wurden. Bei einem besonders schweren Vergehen musste man in einer speziellen  Zelle mehrere Stunden stehend verbringen, die Zellen waren so eingerichtet gewesen, dass man keine Gelegenheit hatten eine andere Körperposition einzunehmen als stehend, was schon mal 20 Std. sein konnten.

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 Der Bunker von innen

 

Eine andere sehr beliebte Strafe waren Schläge mit dem Stock, dabei musste der Wachmann mit einem Ochsenziemer so kräftig wie er konnte auf das Gesäß des Häftlings schlagen und “langsam, langsam” machen, schließlich sollte er die Strafe genießen. Dabei sollte der Wachmann in der Lage gewesen sein „genüsslich“ seine Zigarette zu rauchen. Derjenige der die Schläge abbekam musste laut mitzählen, verzählte er sich, sprach undeutlich oder war nicht zu hören, wurde von vorne angefangen. Wenn man sich vorstellt, dass man bei solchen Schlägen wegen der schmerzen kaum noch in der Lage ist sich auf die Zahlen oder die Stimme zu konzentrieren, dann muss man sich klar werden, dass dies oft vorkam. Die Anzahl der Schläge überstieg daher teilweise deutlich die verordnete Anzahl an Schlägen. Im KZ gab es ebenfalls eine Musikgruppe die aus Gefangenen bestand, diese mussten u.a. bei der Prügelstrafe für die musikalische Begleitung sorgen.

 1m3_02070Im Bunker wurden in einen speziellen Bereich ebenfalls Priester untergebracht 

Die Anlage

Allgemein war ein Leben im KZ nicht viel Wert, die Wachmannschaft entschied über Leben und Tod, selbst darüber wer Krank ist und wer nicht. Nur selten durfte jemand den Arzt aufsuchen. Befand sich unter den Insassen ein Arzt durfte er nicht helfen. Die Anlage war für 6000 Personen angelegt worden, jedoch waren dort teilweise mehr als 40.000 Insassen eingesperrt. Es ist daher nicht verwunderlich, dass sich auch Seuchen ausgebreitet haben. Das KZ Dachau war später Judenfrei und ein Ort für politische Häftlinge, Homosexuelle, geistig Behinderte, Querulanten oder andere unerwünschte Personen.

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links: Der Waschbereich in den Baracken, rechts: Schild auf dem Gelände

Auf dem Gelände ist nur noch eine Baracke zu sehen die jedoch nicht aus der KZ Zeit stammt sondern später rekonstruiert wiederaufgebaut wurde. Die Baracken der Gefangenen waren, wie man vielleicht aus Filmen zu entnehmen glaubt, nicht schmutzig oder ein Ort wo jeder machen konnte was er wollte, sondern es herrschte Zucht und Ordnung. Es durfte nichts rumliegen was nicht rumliegen darf, die Bettdecken mussten penibel ordentlich nach dem Muster ausgerichtet werden, keine Falte durfte diese Ordnung unterbrechen, andernfalls gab es harte Strafen. Die Vorgabe war „die deutsche Gründlichkeit“, dies bedeutete keine Abweichung was das Bild stören könnte. Ein Augenzeugenbericht beschrieb die Fläche vor den Baracken als so sauber und perfekt, dass es schon beängstigend war, unnatürlich. In Dachau hatten die Priester unter den Gefangenen eine Sonderrolle, sie verfügten über Sonderprivilegien und ihre Baracken durfte kein anderer Häftling betreten. Durch diese Sonderstellung ernteten sie meist Missgunst unter den anderen Gefangengen. Eine mit Steinen durchnummerierte Grundfläche deutet heute nur noch an wo die Baracken damals standen.

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Die Baracken existieren schon lange nicht mehr, nummerierte Steine und eine freie Fläche erinnern noch daran

 

Am Ende der Anlage befinden sich einige Kapellen, eine Kirche und ein jüdisches Mahnmal. Noch erhalten aus der Zeit ist das Krematorium wo die Leichen verbrannt wurden. Die Leichenverbrennung wurde notwendig um die Todesursache zu verbergen. Es konnten keine Nachforschungen zu der Todesursache durchgeführt werden, da eine Autopsie unmöglich war. Ein Staatsanwalt der einmal Nachforschungen zu einem Tod  eines Insassen durchgeführt hatte wurde strafversetzt und Mundtot gemacht, man wollte ebenfalls solch einen Vorfall für die Zukunft vermeiden, nichts sollte zu finden sein.

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Der Eingang zum jüdischen Mahnmal

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links: Detailaufnahme vom Eingang, rechts: Zaun vom Zugang

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Das Mahnmal von Innen (Blick nach oben)

 

Das Krematorium

Das Krematorium diente gleichzeitig als Hinrichtungsstätte. Wer zum Tode verurteilt wurde kam direkt zum Krematorium wo die Todesstrafe direkt vollzogen wurde. Vor den Öfen befinden sich unterschiedliche Räume die die Menschen zur industriellen Tötung passieren mussten. Im ersten Raum wurde sich ausgezogen, wo man dann in die „Duschräume“ direkt daneben gebracht wurde.

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“Duschräume” rechts ist in der Wand der Wasseranschluss zu erkennen und die Atrappen in der Decke

Bis zu 150 Personen fasste dieser Raum, (oben kann man noch die Brauseattrappen sehen), durch Schächte von außen wurden dann die Zyklon B Kristalle eingelassen.

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Der Blick von der anderen Seite, dort wurden die Kristalle eingelassen. Rechts: Blick von draußen

Es ist ein unbeschreiblich trauriges Gefühl wenn man in diesem Raum steht und sich darüber klar wird was dort passiert ist. Verängstigte Menschen stehen dort dicht an Dicht gedrängt und wissen nicht was los ist, Kinder schreien, manche weinen. Man hört ein lautes Geräusch und die Zyklon-B Kristalle werden eingelassen, das Gas beginnt sich im Raum zu verteilen, die ersten Beginnen nach Luft zu ringen, Panik bricht aus. Wie viele müssen versucht haben durch die verschlossenen Stahltüren zu gelangen. Sie versuchen mit ihren Fingernägeln sich einen Weg durch die Wand oder Tür zu graben, die Fingernägel blutig ringen sie nach Luft, die Atemfrequenz erhöht sich, wodurch noch mehr Gas in die Lugen gelangt. Das Schaben wird stärker, die Schreie leiser. Langsam hört der Widerstand auf, nach 20 Minuten ist es ruhig, sehr ruhig. Durch eine Luke konnte von außen nachgesehen werden ob wirklich alles still ist. Der Raum ist voll von Blut und Fäkalien. Die Leichen wurden im Nebenraum gebracht um sie später zu verbrennen. Mit Hilfe eines Wasseranschlusses direkte im Raum kann der  Raum des Todes mit einem Wasserschlauch sauber gemacht werden, damit für die nächsten 150 Personen die Tarnung wieder stimmt. Erst gab es auf dem Gelände zwei Öfen, die hinterher durch vier weitere erweitert wurden. Jeder Ofen fasste bis zu drei Leichen, so dass in den sechs Öfen bis zu 18 Leichen gleichzeitig verbrannt werden konnten.

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 Die Brennöfen sind noch vollständig erhalten

Ebenfalls noch erhalten sind die Wachtürme in der Anlage, dort galt der Schießbefehl. Die Wachen mussten sofort Scharf schießen, sobald der Häftling der Zone zu nahe kam. Ein Warnschuss durfte nicht abgefeuert werden, sondern er war sofort zu erschießen. Der Wachhabende hatte schwere Strafen zu befürchten wenn er dem Befehl nicht nachkam. Allgemein kam er jedoch bei einer Erschießung straffrei davon. Die Bedingungen im Lager waren so unbeschreiblich, dass am Todesgraben nicht nur Flüchtlinge erschossen wurden sondern auch Häftlinge die ihrem Leid ein Ende machen wollten. Manch einer hielt es nicht mehr aus und ging langsam auf den Zaun zu…

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Die Anlage, die Türme sind ebenfalls noch erhalten

Ich habe mich bei meinen Fotografien auf die Motive beschränkt die meiner Meinung nach nicht immer zu finden sind, Fotos und Bilder von den Betten oder der kompletten Anlage hat man meist schon oft genug in Fernsehen oder in Berichten gesehen.  Meine Bekannte meinte, dass sie diese Anlage an die Flüchtlingcamps in China für die Flüchtlinge während des Vietnamkrieges erinnert. Das zeigt, dass wir Deutschen nicht die Einzigen sind die solche Anlagen bauen und dass so etwas wie Dachau wieder geschehen kann, davon kann sich niemand freisprechen. Umso wichtiger ist, dass dieses Elend und Ungerechtigkeit die in den KZs vorgefallen sind nicht vergessen werden, wehret den Anfängen.

 


Ein Gedanke zu “KZ-Dachau

  1. Hab’ mir den Artikel lange zurückgelegt, um ihn zu lesen. Danke für den Text und die Fotos. Beides sehr passend und sehr gut dargestellt. Regt zum Nachdenken an.

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