Partyfotografie

Die Partyfotografie ist die einfachste Möglichkeit für junge Menschen Erfahrungen Auftragsarbeit in der Fotografie zu sammeln. Den Zugang zur Partyfotografie bekommt man durch die Anmeldung bei einem Partyportal und einer Bewerbung dort als Fotograf. Es wird damit geworben, dass man als Partyfotograf die Möglichkeit hat Kontakte aufzubauen und neue Erfahrungen in den Bereich der Fotografie zu sammeln. Diese Versprechen und der freie Eintritt zu einer Party sind Gründe für den teilweise recht hohen Zulauf dieser Partyportale. Die Kriterien um als Fotograf zu arbeiten sind nicht sonderlich hoch, eine hohe Motivation ist  wichtiger als ein gutes fotografisches können.

Eine andere Möglichkeit zum Zugang dieser Fotografie ist direkt bei einem Club bzw. Diskothek beschäftigt zu werden. Diese achten jedoch, anders als die Partyportale, darauf, dass der neue Mitarbeiter schon Erfahrungen in der Fotografie hat und in der Lage ist die Wünsche und den Stil der Verlangt wird umzusetzen. Durch die niedrige Zugangsvoraussetzung einer Partyinternetseite, ist die Partyfotografie in der Fotografie nicht sonderlich gut angesehen, da die Fotografen meist wenig bis gar keine Erfahrung mit der Fotografie haben. Die Partyfotografie hat dadurch oft den Ruf des Knipsens als des Fotografierens, da eine Auseinandersetzung mit dem Motiv sowie die Verfolgung eines wiedererkennenden Konzeptes meist nicht zu erkennen ist.

Genauso wenig wie unter Fotografen die Partyfotografie gewürdigt wird, wird sie unter den Partygästen gewürdigt. Die fotografierten Leute wollen meist einfach nur gut aussehen und zu erkennen sein. Ihnen ist es in der Regel der Hintergrund des Fotos egal, genauso ob eine tolle Perspektive gewählt wurde oder ob der Bildaufbau stimmt. Sie sind Laien und schon mehr als zufrieden wenn ein Foto anders aussieht als wenn sie es mit ihrer kleinen Kamera gemacht hätten. Dies muss man sich in der Partyfotografie bewusst werden.

 

Das Vorgehen in der Partyfotografie ist meist immer gleich, oft muss man aktiv die Leute ansprechen, desto älter das Publikum desto mehr muss man selbst die Initiative ergreifen um ein Foto machen zu dürfen. Bei einem jungen Publikum hingegen reicht es oft schon aus nur die Kamera zu zeigen, Schüchternheit ist generell fehl am Platz. Die Initiative muss vom Fotografen ausgehen können, dazu darf man keine Hemmungen haben, daran scheitern viele.

Wichtig ist Respekt dem anderen Gegenüber, d.h. das Foto sollte anschließend gezeigt werden damit die Personen sich von dem Foto überzeugen können und die Arbeit nicht im Unklaren gelassen wird. Wenn man aufgefordert wurde das Foto zu löschen sollte man dieser Aufforderung nachkommen, andernfalls bereitet einen dies nur unnötigen Ärger.

Wenn man einen Club öfter besucht kann man sich auf den Ort einstellen, das Arbeiten wird wesentlich angenehmer, man kann seinen Zeitbedarf besser einschätzen, kennt das Publikum und weiß wo man gute Fotos machen kann. Der Auftraggeber Partyportal und Club haben unterschiedliche Interessen, die Community möchte viele Klicks auf die Bilder haben, daher ist es wichtig möglichst viele Leute zu fotografieren. Der Club hingegen möchte Fotos haben wo die Stimmung und die Party gut zu sehen ist. Diese beiden Ziele stehen zwar nicht im Widerspruch, jedoch ist durch die Vorgabe des Clubs möglich Fotos von Personen zu machen die nicht wissen, dass sie fotografiert wurden oder auch nicht zu erkennen sind. Es ist alles Erlaubt was den Club darstellen läßt. Die Hausordnung weist die Gäste meist drauf hin, dass Fotos gemacht und veröffentlicht werden, daher muss nicht jedes Foto von der Person durch das zeigen genehmigt werden.

img_2775Bilder die im Automatikmoduus gemacht wurden zeigen zwar die Person gut aber von der Stimmung bekommt man meist nicht viel mit.

 

Anders als bei Tageslicht, bedarf das Fotografieren bei wenig Licht, mehr Wissen über die Möglichkeiten der Kamera, sofern man Bilder erstellen möchte die anders aussehen sollen als bei einer Kompaktkamera. Die Kameraeinstellung ist dabei das A und O. Viele Partyfotografen verlassen sich mangels Wissen der Fotografie, auf die Automatik der Kamera, dies ist den Fotos auch sofort anzusehen. Die Kameraeinstellungen alleine machen jedoch noch kein gutes Foto aus, wichtig sind auch Perspektive und Bildaufbau. Man darf dabei nicht in seine Routine verfallen sondern muss den Mut aufbringen etwas Neues auszuprobieren. Hilfreich ist dabei wenn man die Leute etwas motivieren kann und sie nicht wie einen leblosen Gegenstand einfach abfotografiert, Motivation ist dabei die Devise. Bevor man eine Gruppe oder Person anspricht sollte man sich schon Gedanken gemacht haben wie in groben Zügen das Foto auszusehen hat. Wichtig in Clubs ist der Hintergrund, dieser zeigt von der Stimmung vor Ort. Möchte man wenig Anweisungen geben und schnell viele Bilder machen, dann ist die Seite von der man die Personen anspricht mitentscheidend. Die fotografierten Personen machen sich keine Gedanken über den Hintergrund, darum drehen sie sich zum Fotografen hin, damit ist der Hintergrund immer automatisch festgelegt. Um die Arbeit des Dirigierens zu minimieren und Zeit zu sparen, sollte man daher die Personen von der Gegenüberliegenden Seite ansprechen was man gerne als Hintergrund haben möchte.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass man um den manuellen Modus der Kamera nicht herum kommt. Die Werte Blende 4, Iso 800-1600, Verschlusszeit 1/5, ein Autofokusfeld aktiviert, haben sich als eine gute Grundeinstellung herausgestellt. Die Blende 4 sorgt dafür, dass auch Gruppen noch relativ scharf aufgenommen werden und relativ viel Licht auf den Sensor fällt. Bei Blende 2.8 kann es schon zu Problemen mit der Schärfe kommen, gerade bei Vollformatkameras. Die Verschlusszeit von 1/5 ist notwendig um noch genug Umgebungslicht einzufangen, das Bild natürlich wirken zu lassen und der Blitz nicht als Hauptlichtquelle dominiert. Normalerweise wäre das Foto bei einer solchen Verschlusszeit verwackelt, jedoch sorgt der Blitz dafür, dass das Motiv „eingefroren“ wird und scharf abgebildet wird. Bilder die im automatischen Modus aufgenommen werden zeigen sich typischer Weise durch einen schwarzen Hintergrund, oder durch eine viel zu lange Belichtungszeit. Entweder ist dann von der Partystimmung nicht zu sehen oder das Bild ist durch die Verschlusszeit verwackelt und unscharf. Diese empfohlene Grundeinstellung muss man je nach Situation anpassen, je nach Situation des Umgebungslichtes muss die Verschlusszeit verkürzt oder die Blende erhöht werden. Es empfiehlt sich die Blende so zu lassen und nur die Verschlusszeit anzupassen, da der Hintergrund sonst zu scharf wird und die Personen sich nicht mehr davon abheben.

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  Gerät beim fotografieren der Scheinwerfer ins Bild ist von den Personen auf die der Scheinwerfer trifft nicht mehr viel zu erkennen. Ähnlich ist es wenn man zu weit weg ist oder es zu hell geworden ist. In diesem Fall kann der Blitz das Motiv nicht mehr einfrieren und die Personen werden unscharf.

 

Nicht nur auf die Werte der Kamera muss geachtet werden sondern auch auf das Umgebungslicht. Trifft ein Scheinwerfer direkt auf die Personen, muss die Verschlusszeit unbedingt korrigiert werden. Der Scheinwerfer ist in der Regel heller als der Blitz. Durch die längere Verschlusszeit ist der Blitz nicht mehr in der Lage das Motiv an dieser Stelle einzufrieren, das Resultat ist eine Unschärfe in diesem Bereich. Ähnliches kann auch beobachtet werden wenn das Motiv zu weit weg ist. Hierbei ist der Blitz ebenfalls nicht in der Lage das Motiv einzufrieren und es wird unscharf.

Ein externer Blitz ist unbedingt anzuraten, da er eine Reihe von Vorteilen aufweist: Er ist  stärker als der interne Blitz, man kann ihn direkter Ansteuern wodurch die Kontrolle über den Blitz erhöht wird und im Weitwinkelbereich kommt es zu keinen unteren Abschattungen durch das Objektiv und das Foto wird besser ausgeleuchtet. Hinzu kommt, dass der externe Blitz durch seine erhöhte Position und Abstand zum Objektiv die Anzahl der Bilder mit roten Augen reduziert. In dunklen Umgebungen versagt meist der Autofocus, durch das integrierte Autofocuslicht des Blitzes ist eine Scharfstellung einfacher und schneller möglich als ohne externen Blitz. Man hat die Möglichkeit das Licht zu variieren, indem man nach oben oder zur Seite blitzt, dadurch sind andere Bildwirkungen möglich als mit dem internen Blitz.

Wie bei der Kamera kann man mit etwas fotografischen Wissen auch den Blitz gezielter  einsetzten um ein Foto zu erhalten wie man es sich vorgestellt hatte. Möchte man z.B. den ganzen Club im Überblick fotografieren, ist die Lichtmessung durch das Fehlen einer Reflexionsfläche gestört. Die Folge ist, dass der Blitz mit falschen Werten angesteuert wird und die Blitzleistung zu hoch ist. Durch eine manuelle Einstellung der Blitzleistung wird dieser Fehler behoben. Bei einem Blitz mit der Leitzahl 42 reicht für den Überblick meist eine Leistung von 1/32 und eine 45 Grad Position um das gewünschte natürliche Ergebnis zu erzielen. Erhöht man den Isowert der Kamera kann mehr Umgebungslicht aufgenommen werden und die Reichweite des Blitzes weiter erhöht werden.

img_53487Mit Blitzvorsätzen kann man ganz eigene Effekte erzielen. In disem Fall wird das Motiv direkt angeblitzt und das Licht fällt an den Rändern ab. Disen Effekt mag ich besonders bei dunklen Clubs da man dadurch einen besseren Eindruck von der Lichtsituation bekomme. Ähnliches gilt auf der Tanzfläche, da wird nur das Hauptmotiv angeleuchtet.

 

Häufig sieht man Partyfotografen die auf den Blitz etwas draufgesteckt haben, damit soll erreicht werden, dass man ähnliche Lichtverhältnisse wie im Studio erhält: weicheres Licht. Diese Hilfsmittel sind in ihrer Wirkung umstritten, da für weicheres Licht die Abstrahlfläche des Blitzes zu klein ist. Jedoch sind diese Lichtformer wie ein Omnibounce nicht generell abzulehnen. Man hat bei einem Bouncer die Möglichkeit selbst bei einem Blitz der 90 Grad nach oben geneigt ist ein ausgeleuchtetes Motiv zu bekommen da durch die weiße Fläche des Bouncers noch etwas Licht nach vorne kommt. Indirektes Licht wirkt in der Regel natürlicher als direkt geblitzte Motive. Die Bildwirkung kann dadurch verändert werden.

Häufig wird behauptet man solle den Blitz auf den 2. Vorhang stellen, da dadurch die Bilder besser werden, in der Praxis ist dies jedoch für diese Art der Fotografie vollkommen irrelevant, da bei einer Bewegung z.B. eines Armes vollkommen egal ist ob die Unschärfespuren rechts oder links sind, die Bewegungsrichtung ist egal.

Als Praxistauglich hat sich bei einer längeren Belichtungszeit die Einstellung auf den 1. Vorhang erwiesen, da die Personen beim 1. Blitz bei der 2. Vorhang Einstellung davon ausgehen, dass das Foto gemacht wurde und aus dem Foto gehen. Wird das 2. mal geblitzt kann es vorkommen, dass man kein Motiv mehr hatte.

Ein weiterer Tipp den man oft liest ist die Verwendung von Folien, die Leefolie 204 bzw. 205 wird oft empfohlen. Dabei wird diese Folie vor den Blitz gesteckt und der Weißabgleich des Blitzes auf „Kunstlicht“ gestellt. Ziel dabei ist es, die Farbtemperatur des Lichtes mit dem der Glühbirnen im Club anzupassen. Die Glühbirnen erscheinen weiß und das Foto wird allgemein als wärmer wahr genommen. Jedoch kann das weiße Licht wiederum bei einigen Fotos als zu „kalt“ war genommen werden, wodurch die Folie eher schadet als nützt. In der Praxis jedoch überwiegt der Vorteil: ein rot ausgeleuchteter Hintergrund erscheint nicht mehr so dominant, das Foto sieht natürlicher aus. Ein weiterer Vorteil ist, das der Weißabgleich durch die manuelle Korrektur, meist richtig eingestellt ist. Man sich keine Gedanken darum machen muss ob die Bilder nicht zu kalt oder warm werden, dass Ergebnis ist beeinflussbar. Oft trifft man auch Fotografen die zwar keine Folie benutzen aber ebenfalls einen festen Weißabgleich eingestellt haben, dieser steht meist auf „bewölkt“. Die Idee dahinter ist ebenfalls ein gleiches Ergebnis in der Farbtemperatur zu erhalten. Bei geblitzten Fotos auf diesen Weißabgleich sorgt dafür, dass die Fotos „wärmer“ werden, was häufig als angenehmer empfunden wird als reines weiß.

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